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Das Vergessen ist die Regel, die Erinnerung die Ausnahme!

Ein interessantes Spiegelgespräch (Spiegel Nr. 4 vom 21.1.2013) mit dem niederländischen Psychologen DOUWE DRAAISMA und der Spiegelredakteurin Kerstin Kullmann zum Thema `Erinnerung und Vergessen´! 

Hier begegneten mir viele Fragen, die mir als Biografin oft gestellt werden. Darum habe ich für Sie die meiner Meinung wichtigsten Fragen und Antworten als Zitate zusammengefasst:

Frage Nummer 1

„Warum erinnert man sich so schlecht an die eigene frühe Kindheit?“

„Bei der Geburt bekommen wir unser Gehirn sozusagen im Rohbau geliefert. Es vergrößert sich dann rasend schnell, da bleibt kaum Zeit für die Vergangenheit. Mit dem Alter verändert sich die Sicht auf die Welt, die Sprache kommt hinzu.

(...) Es ist schwer, die Welt im Alter von fünf Jahren noch einmal so zu betrachten, wie sie sich anfühlte, als man zwei war. Fünfjährige Kinder erinnern sich an Episoden, an kleine Geschichten. Zweijährige erinnern sich an kurze, visuelle Szenen ohne genaue zeitliche Abfolge, ohne innere Entwicklung. Sind die vergangenen Erfahrungen eines Kindes einmal überlagert von Erfahrungen, die es in Worte fassen kann, ist das, was zuvor geschah, verschwunden.“ 

(...) „..., die Erinnerungen kleiner Kinder sind häufig unerfreulich. (...) Weil das Gedächtnis in diesem Alter dazu da ist, einen von Gefahren fern zuhalten. 

Mein Kommentar:

Diese Aussage kann ich nur bestätigen, so erinnere ich mich beispielsweise sehr genau an den Moment, als ich mir selbstverschuldet ein Loch in den Kopf geschlagen habe, oder mich mit kochendem Kaffeewasser den Arm verbrühte.  

 

Frage Nummer 2

„Warum vergessen wir immer mehr im Alter?“

(...) Erst seit etwa hundert Jahren werden Menschen so alt, dass sie vergesslich werden können. Unser Gehirn hat sich über Jahrmillionen entwickelt, und solange es Menschen gab, sind sie meist nicht 70 oder gar 90 geworden, sondern wesentlich jünger gestorben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass unser Gehirn noch nicht darauf eingestellt ist, sich so lange gut erinnern zu können.“

 

Zum Thema „Vergessen“:

„Die wichtigste Aufgabe des Gedächtnisses ist es, zu vergessen. Beinahe jede Information, die wir aufnehmen, wird sofort wieder gelöscht. Nur ein Bruchteil dessen, was wir wahrnehmen, gelangt in unser Kurzzeitgedächtnis. Und noch weniger in unser Langzeitgedächtnis.“

„Das Vergessen ist die Regel, die Erinnerung die Ausnahme.“

Douwe Draaisma meint, in vielen Situationen sei es überaus klug, Vergessen zu können: 

„Die Erinnerung an Ärger mit unseren Bekannten und Freunden vergeht, und wir können einen Weg finden, wieder zueinander zukommen. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass wir Vergeben und Vergessen als einander so nah empfinden.“

 

Frage Nummer 3

„Welche Rolle spielen Gefühle beim Erinnern?“

„Unsere wichtigsten Erinnerungen sind beinahe ausschließlich geprägt von Gefühlen, von Ängsten, von Sehnsüchten. Vor allem eines bleibt Menschen ein Leben lang in Erinnerung: wie es sich anfühlt, gedemütigt zu werden. Auch sehr alte Menschen können sich noch gut daran erinnern, wenn sie als Kind von einem Lehrer vor der Klasse heruntergemacht wurden.(...) Auch diese Erinnerung besitzt eine einfach evolutionäre Funktion: Man will, dass einem so etwas nie wieder passiert.“

 

Frage Nummer 4

„...gibt es dann wenistens eine Zeit im Leben, in der wir kaum vergessen?“

„Eine Erfahrung, die man zum ersten Mal macht, bleibt einem meistens ewig erhalten. Vor allem in den Jugendjahren machen wir häufig neue Erfahrungen.“

 

Frage Nummer 5

„Gibt es in Ihrem Leben etwas, dass Sie gern vergessen würden?“

„(...) Es sind vor allem die Erinnerungen, an denen ich nichts mehr ändern kann, die mich am meisten plagen. Vorfälle, für die ich mich nicht entschuldigen kann. Aber ich weiß, dass viele dieser Erfahrungen mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin.“

 

Mein Kommentar:

Seine Antwort auf die letzte Frage des Interviews fand ich als Biografin besonders interessant, denn genau dies höre ich sehr oft von meinen Kunden. Oft hilft hier die biografische Arbeit: Nachdem alles berichtet, niedergeschrieben und schließlich in ein Buch gepackt wurde, findet so etwas wie eine Klärung und auch Reinigung statt. Die Schuldgefühle werden in Zusammenhängen gesehen, die Ereignisse nachvollziehbar und wiegen darum nicht mehr so schwer! 

Quellennachweis für die Zitate:

Spiegel Nr. 4 vom 21.1.2013
Spiegelgespräch: „Fotografieren ist nicht ehrlich.

Redakteurin: Kerstin Kullmann

 

Und hier das aktuelle Buch zum Gespräch:

Autor: Douwe Draaisma
Titel: „Das Buch des Vergessens.“
Verlag: Galiani Verlag Berlin
19,99 Euro


Ich hoffe, Ihnen hiermit ein paar interessante Informationen gegeben zu haben!
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