Von Dagmar Wagner on Montag, 18. Mai 2020
Kategorie: Aktuelles

Über die Opferhaltung beim Altwerden: Das muss nicht sein - meinen Prof. Dr. Frieder R. Lang und Dr. Roland Rupprecht von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg - Institut für Psychogerontologie Department Psychologie

Ein spannender Ansatz, der viel Selbstkritik gepaart mit ein wenig Selbstironie vertragen kann: Denken Sie doch einmal an alle Ihre Gespräche, die Sie mit älteren Gleichaltrigen führen. Es geht meistens um kleinere wie größere Gebrechen, um all das, was nicht mehr geht. Hin und wieder wirds ein echter Gang durchs Jammertal. Und das nicht erst ab 80 Jahren, es fängt bereits viel früher an.

In ihrem Aufsatz:

"Endlichkeit und Vulnerabilität in der psychologischen Alternsberatung." (2019) In R. Likar, O. Kada, G. Pinter, H. Janig, W. Schippinger, K. Cernic & C. Sieber (Hrsg.), Ethische Herausforderungen des Alters: Ein interdisziplinäres fallorientiertes Praxisbuch für Medizin, Pflege und Gesundheitsberufe (S. 143 - 153). Stuttgart: Kohlhammer."

beschreiben Prof. Dr. Frieder R. Lang und Dr. Roland Rupprecht einen neuen Weg, um mit größeren wie kleineren Altersbeschwerden fertig zu werden. Dabei unterschieden Sie zwischen dem "medizinischen Konzept" und dem "kompensatorischen Helfer-Konzept".

"Nach dem `medizinischen Konzept´ werden beispielsweise Patienten nicht als Verursacher von Krankheiten gesehen, und von ihnen wird auch nicht erwartet, ihr gesundheitliches Problem selbst zu lösen. Dafür ist in der Regel ein Mediziner oder Therapeut zuständig." (Zitat aus dem Aufsatz)

Nach dem kompensatorischen Helfer-Konzept sind "vorliegende Erkrankungen oder funktionelle Einschränkungen nicht vom älteren Menschen verursacht oder verantwortet, jedoch ist der ältere Mensch in einer verantwortlichen Rolle, die Folgen des Alterns selbst auszugleichen oder zu bewältigen. Damit betont das Kompensationskonzept des Beratens insbesondere die Ressourcen und Fähigkeiten der Individuen in der Bewältigung gesundheitlicher Herausforderungen."

Auf die eigene Lebenssituation und Zufriedenheit können wir  also selber positiv einwirken. Es geht nur darum, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen - und dabei kann von so tollen Wissenschaftlern eben geholfen werden. Gemeint damit ist, dass wir - selbst wenn wir mit Einschränkungen leben müssen - immer noch unser Leben auch in der Hand haben! 

Ganz einfach formuliert:

Ältere und alte kranke Menschen werden bei diesem Ansatz ernst genommen und gefordert, und nicht als zu behandelnder medizinischer Fall betrachtet.

Überlegen Sie mal: Was wäre Ihnen denn lieber?

Und wenn Sie das nächste Mal eventuell einer Unterhaltung beiwohnen, wo es ums Jammertal geht, fragen Sie doch sich selbst und andere, wie es um die Selbstverantwortung steht? Ein kleines Lächeln hilft dabei!

In diesem Sinne: Denken Sie quer!




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